2013-08-01. MALHEUR #11.

»Na, war die Heimfahrt sehr anstrengend? Danke für die Postkarte«? Nein.

Eine rührend liebe Nachbarfamilie war mitsamt zwei- und fünf-jährigem Nachwuchs im Urlaub auf Fehmarn und schrieb uns laut Poststempel am ersten August eine Postkarte. Mitte August treffen wir sie vor dem Haus, am 11. August waren sie zurückgekommen.

Die Postkarte kam wenige Tage später bei uns an.

Zwei Wochen für 144 Kilometer sind 0,42km/h und ein Vierzehntel meiner Fußgehschwindigkeit.

2013-07-09. FREUNDE #2.

Die erste Geschichte in diesem Blog, die ich nicht selbst erlebt habe. Es werden noch einige folgen.

Die Geschichte »MALHEUR #7.« ließ mich die dazugehörige, endlich fertige Ware aus meinem eigenen kleinen Onlinshop vorsichtshalber eigenhändig statt gelb ausliefern, zumal der Besteller unweit von mir selbst wohnt. Bei Übergabe in seinem Treppenhaus gerieten wir ins Plaudern, unter anderem über meine und auch seine Erlebnisse mit dem gelben Zustell-Unternehmen.

Er erzählte von einem Türklingeln in seiner vierten Etage. Er summt. Niemand kommt zu ihm. An seiner offenen Wohnungstür stehend hört er im Erdgeschoß ein Gespräch und Geraschel und läuft hinunter. Der DHL-Zusteller übergibt vor seinen Augen eine an ihn gerichtete Sendung an einen Nachbarn, obwohl er als Empfänger nicht nur vor Ort ist, sondern zugleich sogar auch dem Zusteller die Tür geöffnet habe! Er beschwert sich bei dem Herrn in gelb, daß offenbar dieser nicht gewillt sei, seinen beruflichen Auftrag der wenn möglich persönlichen Zustellung zu erfüllen, wenn dieses ein Treppensteigen bedeute.

Seither findet der Empfänger fast ausschließlich Benachrichtigungskarten in seinem Briefkasten. Er sagte mir, daß zu jeder Zeit irgendjemand bei ihm zuhause sei, die Wohnung sei niemals menschenleer. Das Detail, ob er diese Sendungen dann bei der Postfiliale oder bei Nachbarn abholen müsse, ist mir nicht bekannt.

Selbstverständlich ist das nur eine Mutmaßung, aber es fällt mir schwer, nicht zu vermuten, daß es sich hier um Rache des Zustellers handle. Rache an korrekter Ermahnung?

2013-06-29. MALHEUR #9 und #10.

Meine Freundin möchte für eine unentgeltliche Berufsausbildung schulisches Bafög beantragen. Hierfür werden diverse Formulare und Nachweise benötigt.

Interessanterweise empfiehlt der Mitarbeiter der zuständigen Behörde, Formulare selbst vorbeizubringen statt sie mit der Post zu schicken, da diese wichtigen Briefe zu oft nicht ankommen.

Wir bringen alle Formulare und Nachweise selbst zur Behörde. Alle außer eines Nachweises, den der in Bukarest wohnende Vater per Post schicken muß. Moment, per Post? Au weia. Na, wenn das mal gut geht.

Nach drei Wochen regelmäßigen Fragens sind keine Nachweise aus Bukarest eingetroffen. Mürrisch wird Vater gebeten, es noch ein zweites Mal auszufüllen und loszuschicken.

Nach weiteren drei Wochen wird klar, daß auch dieser Brief niemals ankommen wird. Von der Behörde kommt der Vorschlag eines Provisoriums, welches angesichts der postalischen Umstände, die man dort gewohnt sei, einmal genehmigt werden könne: Einscannen der Formulare, emailen, ausdrucken, und persönlich vorbeibringen.

Der Bafög-Antrag ist nun endlich in Bearbeitung, keiner der Briefe von Ende Juni und Mitte Juli sind bislang bei der Behörde eingetroffen.

2013-06-28. FREUNDE #1.

Ich zitiere einfach.

»na, das kann ja lustig weitergehen….
…bei mir hat der letzte schritt (vom Paket-Zielzentrum an den Empfänger) letztens auch noch einmal ganze sechs Tage gedauert.
(und dabei ist anzumerken, dass weder die Adresse fehlerhaft war, noch dass jemals versucht wurde, die Sendung zuzustellen!)«

2013-06-26. MALHEUR #8.

Ich hatte am Mittwoch, den 26.6.2013 eine Bestellung in Winsen/Luhe getätigt, wo die Bestellung am morgigen Donnerstag auf den Weg gebracht wurde. Ich dachte, daß am Freitag oder Samstag das Stück bestimmt in meiner Packstation sein würde und ich wiederum meinen eigenen Kunden vor meinem einwöchigen Urlaub beglücken könnte.

Am Freitag, den 28.6. um 15:57 steht in der Sendungsverfolgung, das Paket werde »manuell nachbearbeitet«, der nächste Schritt sei, daß es in meine Packstation gefahren werde. Wie schön! Dann kommt es ja am Samstag in den Automaten und ich kann am Sonntag meine eigene Ware ausliefern! Ohne weitere Ergänzungen sah ich die »manuelle Nachbearbeitung« allerdings nicht nur am Freitag, sondern auch am Samstag, am Sonntag, am Montag und am Dienstag. Inzwischen war es Juli geworden und ich steckte mitten in meinem Kurzurlaub. Sehr bedrückt habe ich in diesen fünf Tagen immer wieder meinem eigenen Kunden den Link zu der Sendungsverfolgung geschickt und mich zutiefst bei ihm entschuldigen müssen. Immer und immer wieder. Es wurde mir immer peinlicher.

Am Dienstag nachmittag, am fünften Tag der »manuellen Nachbearbeitung«, war plötzlich das Paket verladen worden und es stand geschrieben, es werde jetzt in die Packstation gefahren! Juchuh! Habe ich meinem Kunden gleich geschrieben. Dann könne ich das Paket ja am darauffolgenden Sonntagabend, wenn ich aus dem kurzen Urlaub zurück sei, abholen, die Ware fertignähen und ihm gleich am Montag überreichen, da er tatsächlich fast in meiner Nachbarschaft wohne! Juchuh.

Keine Stunde später will ich diese Nachricht meiner Freundin zeigen, daß die DHL es endlich geschafft habe, die Sendung »manuell nachzubearbeiten« (was heißt das?!) – und sehe da die Meldung, daß das Paket nicht den Versandbedingungen entspreche und zum Absender zurückgehe??! NEIN!!! Es war so kurz vorm Ziel!!

Von Dienstag, dem 2. Juli um 17h-etwas an, wurde das Paket nun WIEDER »bearbeitet«. Der Absender aus Winsen/Luhe hatte mir inzwischen angeboten, der Katatsrophe im Hause der DHL zufolge dasselbe Paket ein zweites Mal zusammenzustellen und mir ein zweites Mal zu senden zu versuchen, da er auch nach drei Tagen ihrer Entscheidung, es zurückzusenden, noch NICHTS von der DHL gehört, gelesen oder bekommen zu haben schien.

Am Sonntag, den 7. Juli, ergo 12 Tage seit Bestellung und 11 Tage seit Lossenden des Paketes, steht immernoch als aktuellster Status, daß das Paket in Hamburg »bearbeitet« werde.

Wie bitte?

Das ist jetzt eine weitere große Pleite, die die Post und DHL alleine in diesem Kalenderjahr und alleine nur mich betreffend zustande gebracht hat. Das zweite Mal von Versendern zu mir und außerdem schon dreimal von mir zu meinen Kunden. Allein im Jahre 2013.

»Ist das Ihr Ernst?

Ich frage:

Was zum Teufel ist mit dem Paket passiert? Wieso entspricht es nach 35 Kilometern Strecke in sage und schreibe 6 Tagen, gleichzeitig seit nur noch anderthalb Kilometern vor dem Ziel ›nicht mehr den Versandbedingungen‹?

Wieso benötigen Post und DHL inzwischen mehr als zwölf Tage, um 73km zurückzulegen?«

2013-04-01. MALHEUR #6 und #7.

Es war der erste April des Jahres 2013. Zwei verschiedene Bestellungen meines eigenen kleinen Onlineshops galt es, beide nach Berlin zu senden. Ich suchte mir eine Paketbox und füllte die zwei Warensendungs-Schachteln dort hinein.

Beiden Käufern teilte ich dieses mit und erzählte, daß in all meinen bisherigen zirka zweihundert bis dreihundert Sendungen die Versanddauer der Warensendungen schnellstenfalls zwanzig Stunden, langsamstenfalls acht Tage gezählt habe.

Nach zehn Tagen die erste Email, daß die Sendung noch nicht da sei. Den anderen Käufer fragte ich selbst. Beide Sendungen nicht angekommen. Bald stellte ich Nachforschungsanträge online mit allen möglichen Details. Als Antwort bekam ich per Post am zweiundzwanzigsten Tag der Versände Frage-Formulare und die Bitte, ich möge Fotos der vermißten Inhalte beilegen.

Am dreiundzwanzigsten Tage bekam ich die erste Meldung aus Berlin, daß die Ware dann doch angekommen sei. Die andere Sendung war bis dahin immernoch spurlos, Inhalt war der geliebte Gürtel eines Fünfjährigen.

Drei Tage später kam auch dieser an.

Dreiundzwanzig Tage und sechsundzwanzig Tage für zirka 300km sind ein Schnitt von 0,54km/h und 0,48km/h. Ich wäre zufuß zwölfmal so schnell gewesen.

2013-03-02. MALHEUR #5.

Mit dem Nichtfinden des Paketes aus der Packstation durch die DHL (siehe »DREI«) hat eine unbezahlte Rechnung auf Umwegen zu einer Sperrung meines Paypal-Kontos geführt. Als Inhaber eines und als Betreuer eines zweiten Onlineshops ist das ein ziemlicher Mist. Vor allem, wenn man dann auf hauseigene Mittel der Post zurückgreifen muß, um Pakete zu frankieren: Postpay.

Als Besitzer eines Packstations-Accounts registriere ich mich also bei Postpay. Alles ist gut. Login auf Postpay funktioniert aber nicht, weil auf meine Benutzerdaten drei Accounts bestünden und ich diese doch bitte ganz »einfach mit drei Klicks« zusammenführen möge.

»Ihre Kundenkonten bei MeinPaket.de und Paket.de sind zusammengeführt.
Bitte versuchen Sie sich erneut bei MeinPaket.de einzuloggen. Sollten weiterhin Probleme auftreten, melden Sie sich bitte erneut bei uns.«

Nun. Dann melde ich mich mal. Ich habe einfach Screenshots gemacht.

Versuche ich tatsächlich, mich mit meiner Postnummer woanders anzumelden als unter paket.de (dort klappt es wohl), bekomme ich weiterhin diesen Hinweis:

welcher, nach Angabe meines unter paket.de laut DHL-Kollegen unter der Telefonnummer 0228 / 28609850 dafür hilfreich einzustellenden Paßwortes, dennoch hierin endet:

Versuche ich, wie die Kollegin des Kollegen unter eben jener Telefonnummer beim zweiten Anruf mir riet, mit einem völlig neuen, unabhängigen Postpay-Account mit einer unbekannten Emailadresse und bislang unbekannten Kreditkarte und keiner Verwendung meiner Postnummer zu bezahlen, um die ZWEI VERDAMMTEN PAKETE endlich frankiert zu bekommen, die zwei Kundinnen meines Onlineshoppes verdammt nochmal seit Freitag abend versandt zu bekommen erwarten, dann kommt dies:

Diesen merkwürdig selten gefragten ›SecureCode‹ habe ich vor Jahren mal vergeigt aber nie wieder gebraucht. Auch dafür hing ich gestern, diesmal bei der Deutschen Bank, an einer Hotline und habe ihn entsperren lassen. An meiner Kreditkarte kann es also nicht mehr liegen, die ist zahlfähig.

Mein Paypal-Konto ist wie gesagt gesperrt, was ohne die Fehlleistung der DHL bis in den Februar hinein nicht passiert wäre. Paypal droht mir sogar schon mit einem Inkasso-Unternehmen.

Mir scheint gerade jede Möglichkeit verwehrt, diese zwei verdammten Pakete online zu frankieren.

Ich habe Samstags einen ganzen Nachmittag lang geflucht und geklickt und die DHL angerufen und geklickt und geflucht und die DHL nochmal angerufen und weitergeklickt, wieder geflucht, meine Bank angerufen, geklickt, geflucht und aufgegeben, weil nichts klappt, aber diese Zusammenführung der Accounts unweigerlich notwendig scheint, nur weil ich EINMAL postpay benutzen muß.

Meine Bitten damals an die DHL:

1) Führen Sie bitte diese verdammten Accounts zusammen. Sie schreiben, sie seien zusammengeführt, aber der ersten zwei Screenshots oben in der Mail widersprechen Ihnen.

2) Löschen Sie meinen nutzlosen Postpay-Account, den ich mit der Emailadresse #######@##########.de und der Kreditkartennummer, die auf #### #### #### 4465 endet, ebenfalls erfolglos eingerichtet habe. Die dafür extra eingerichtete Emailadresse werde ich unter meiner Domain auch wieder löschen.

3) Erstatten Sie mir bitte zumindest die zwei Euro, die ich außer alleine schon der dortigen Warteschlange gleich am Postschalter zusätzlich zu meinen gestrigen Nerven jetzt auch noch an Geld mehr investieren muß, um diese verfluchten Pakete verspätet losschicken zu können. Benutzen Sie dafür gerne PayPal (Zahlungseingänge sollten funktionieren): ####@##########.de ODER meine Internetmarken-Portokasse ## #### #### #### ODER meine Bankverbindung ####### ##### • Kto ######### • Blz ######## • ######## Bank. Über dieses Entgegenkommen wäre ich als Zeichen für Ihren guten Willen höchst erfreut. Meine Nerven und meine Zeit, die durch diese nicht-meine-Fehler gelitten haben, können Sie mir nicht ersetzen, wohl aber doch zumindest hoffentlich die zwei Euro, die mich das Nichtfunktionieren Ihrer Datenbanken-Zusammenführung am Postschalter mehr als online kosten wird..?«

Am Postschalter am Montag wundere ich mich über die 2× 6,90€, die ich für zwei wenige hundert Gramm wiegende Pakete zu zahlen habe, woraufhin der Herr am Postschalter sagt, online sei das günstiger, nämlich nur 2× 4,90€. Ich konnte mich kaum davor bewahren, gleich zu platzen.

Zuhause sehe ich auf dem Kassenbon, daß der Herr diese beiden wenige zehn Gramm und wenige hundert Gramm leichten Schachteln als zehn-Kilogramm-Pakete frankiert hat statt als zwei-Kilogramm! Warum?

2012-12-20. MALHEUR #4.

Ich erhielt am 20. Dezember 2012 von meiner Packstation zwei SMS mit mTANs für die Abholung mutmaßlich jeweils eines erwarteten Paketes. Zwei Bestellfehler galt es, ungeöffnet als Retour zurückzusenden. Dieses wollte ich tags darauf erledigen und gab am Automaten die erste mTAN ein. Ich entnahm aus dem rechts von mir aufspringenden Fach ein Paket und schloß das Fach wieder. Ich beklebte das Paket mit einem der Retourscheine, die ich beide extra dafür dabeihatte, und gab dieses unter einer neuen Sendungsnummer wieder in ein sich dafür öffnendes Fach. Vielleicht war es dasselbe Fach, aus dem ich erstes Paket Sekunden zuvor entnommen hatte, was ich sehr sehr sehr hoffe, aber dazu mehr weiter unten. Daraufhin wollte ich die Sendung der zweiten SMS und mTAN abholen, um sie ebenfalls zurückzusenden, sah, daß es dieselbe mTAN war, wunderte mich, und gab sie erneut ein. Bekam die Anzeige, daß null Pakete noch abzuholen seien, dachte mir, da sei wohl im Mobilfunknetz eine SMS mit derselben mTAN zweimal angekommen und das zweite Paket noch nicht ganz da, und fuhr weiter meines Weges.

Etwa eine knappe halbe Stunde später sah ich online auf paket.de, daß es wohl doch zwei Pakete waren, und beide als »ausgeliefert« markiert wurden. AAAAARGGG.

Panisch, ob bei Eingabe der ersten (und selben wie der zwoten) mTAN wohl eine zweite Schublade unbemerkt aufgegangen sei, raste ich zurück zur Packstation, die Abholung war inzwischen rund 30 Minuten her, und fand erwartungsgemäß kein geöffnetes Fach (mehr?). Fragte im Supermarkt, der Bäckerei und der gegenüberliegenden Polizei, ob vielleicht ein ehrlicher Passant ein Paket aus einem vermeintlich offenstehenden Fach der Packstation abgegeben statt geklaut habe, ich sonst sehr hoffe, daß es jemand umsichtig einfach wieder verschlossen habe, und bat jeden gefragten, mir die Daumen zu drücken.

Ich hing, während ich diesen ursprünglich zum Absedner gehenden Text schrieb, seit 17 Minuten in der Warteschleife der DHL-Hotline unter 01803/365365, nachdem mir die DHL-Hotline unter 0800/1888444 nach etwa 15 Minuten Warteschleife gesagt hat, sie sei die falsche. Bei meiner Postfiliale in der Hamburger Hoheluftchaussee konnte mir auch nicht geholfen werden, dort wurde mir nur die 0800/1888444 empfohlen..?! Am hilfsbereitesten war bis hier ein Fahrer der DHL gewesen, den ich in seinem Transporter auf der Straße eine Hand voll hundert Meter neben der betreffenden Packstation ansprach: Er versprach, seinen Vorarbeiter anzusprechen, und hat sogar meine Postnummer und die Packstation und meinen Namen aufgeschrieben.

Nach rund zwanzig Minuten in der Warteschleife bei einer Dame der Packstations-Hotline habe ich nun herausgefunden, daß beide Pakete in derselben Schublade waren, welche ich nach Entnahme EINES Paketes selbst erfolgreich geschlossen hab – UND vielleicht sogar war es dieselbe Schublade, die ich eine Minute später mit der Retour wieder gestopft habe, so daß im glücklichsten Falle nun eine Retour und ein sozusagen verwaistes Paket hintereinandergeschoben in ebenjenem Fach liegen. Unter der Vorgangs-Nummer läuft nun eine Fahndung nach der zweiten Sendung, die hoffentlich noch in der Packstation schlummerte.

Es vergingen vier Wochen und eine 5€ teure Mahnung des Absenders, bis das NIEMALS aus dem Besitz der DHL gelangte Paket gefunden wurde. VIER WOCHEN lang hat die DHL es in ihrem eigenen Hause nicht gefunden.

2012-11-26. MALHEUR #3.

Ein Freund wollte mir einen Brief schicken. Es handelt sich um die Strecke von Oldenburg (Olbg.) nach Hamburg, Entfernung etwa 159 Kilometer.

Am 24. November 2012 lese ich seine Nachricht: »Geht Montag raus, der Brief.«

Es vergehen neunzehn Tage, bevor der Brief bei mir ankommt. Wir sprechen von einer Durschschnittsgeschwindigkeit von etwas über einem Drittel Kilometer pro Stunde. Ich wäre zufuß achtzehnmal so schnell gewesen.

2012-11-17. MALHEUR #2.

In einem von mir betreuten Onlineshop sollte ein Regenschirm aus Hamburg nach München gesandt werden. Wie immer, weil bisher korrekt gewesen, erzählte ich von der gewöhnlichen Lieferdauer zwischen zwanzig Stunden und acht Tagen.

Nach zwei knapp zwei Wochen die erste Nachfrage.

Am Ende mußten wir den Regenschirm ein zweites Mal lossenden, ein zweites Mal Porto zahlen. Weil die Warensendungnicht versichert sei, sei auch kein Ersatz möglich. Wir bleiben also offenbar auf den Material-Kosten des Regenschirmes und den Portokosten sitzen.

Wie kann die Post so etwas straffrei aussprechen, frage ich mich da?

Was ist die Beziehung zwischen Portozahler und Post/DHL?
• Ein Frachtvertrag

Wie kommt der Frachtvertrag zustande?
• Durch Zahlung des Portos

Was ist das Produkt der Post und DHL?
• Die Zustellung der im Sinne des Frachtvertrages übergebenen adressierten und mit Absender versehenen Sache

Was sagt das Bürgerliche Gesetzbuch zu Verträgen dieser Art?
• §631 BGB Vertragstypische Pflichten beim Werkvertrag
(1) Durch den Werkvertrag wird der Unternehmer zur Herstellung des versprochenen Werkes, der Besteller zur Entrichtung der vereinbarten Vergütung verpflichtet.
(2) Gegenstand des Werkvertrags kann sowohl die Herstellung oder Veränderung einer Sache als auch ein anderer durch Arbeit oder Dienstleistung herbeizuführender Erfolg sein.

Was sagt das Produkt-Haftungs-Gesetz zur Haftung über ein Produkt?
• §1 ProdHaftG Haftung
(1) Wird durch den Fehler eines Produkts […] eine Sache beschädigt, so ist der Hersteller des Produkts verpflichtet, dem Geschädigten den daraus entstehenden Schaden zu ersetzen.

..Wie kann dann die Post von allem Schadensersatz verschont bleiben?

..Wie kann die Post behaupten, ein preisgünstigeres Porto befreie Sie von Pflichten zur Ersatzleistung bei regelrechtem Vertragsbruch in Einkunft mit einem Verlust einer Sache?

..»Unversicherte Sendungen« verstehe ich laut den von mir zu Rate gezogenen Gesetzen als legal nicht möglich! Die Gesetzeslage sollte Versicherung genug sein.

2004-09-01. MALHEUR #0.

Seit ich hier eingezogen bin, habe ich die meiste Zeit einen Beruf gehabt, der mir erlaubt, erst mittags oder frühnachmittags an arzubeiten zu fangen. So ergibt es sich, daß viele Zusteller inzwischen gezielt bei mir klingeln, wenn die Empfänger –meine Nachbarn– zur Zeit nicht im Hause sind, um eine Sendung bei mir abzugeben. Fast alle Nachbarn freuen sich alle wenige Tage darüber, daß sie nicht irgendwohinfahren müssen, um ihre Sendung zu erhalten.

Manche Zusteller klingeln aber nicht bei mir, weil die Nachbarn nicht öffnen, sondern klingeln sie bei mir, weil ich da bin. Das macht doch keinen Unterschied? Oh doch.

Wenn Nachbarn sich vor meiner Tür wundern: »Komisch, ich war doch zuhause zu der Uhrzeit, die hier draufsteht! Bei mir hat es gar nicht geklingelt..?«, dann halten sie stets eine Benachrichtigungskarte in der Farbe gelb in ihrer Hand: von der DHL. Es wird also von dem gelben Zustellungs-Großunternehmen inzwischen oftmals gar nicht mehr versucht, es direkt zuzustellen, wenn ich auf das Klingeln sogleich öffne und teilweise für vier Nachbarn gleichzeitig Pakete und Päckchen im Flur stehen habe.